Warum Gott die Welt erschuf

 

Der Bibel zufolge ist unsere Erde nicht für eine ewige Existenz geschaffen worden. Eines Tages wird sie ein Ende nehmen (2. Petrus 3,13-18; 1. Johannes 2,17; Offenbarung 20,11 – 21,1). Aber der Mensch, der sowohl aus Körper als auch aus Geist besteht, wird niemals aufhören zu existieren. Der körperliche Tod ist nicht das Ende für ihn. Irgendwo und in irgendeinem Zustand – im Himmel oder in der Hölle – wird er ewig weiterexistieren.

 

Die Erde war daher niemals dazu entworfen, die ständige Heimat der Menschheit zu sein. Sie war lediglich als zeitweiliges Sprungbrett gedacht auf dem Weg zu einem weitaus größeren Zweck, dass Gott sogar bereits vor der Erschaffung der Erde im Sinn hatte. Dieser Zweck beinhaltete zwei Stufen:

 

1. Stufe: Der Mensch wird als ein Geschöpf Gottes in die Welt hineingeboren. Er ist ausgestattet mit Körper, Seele und Geist, mit Intelligenz, Sprachbegabung, einem Sinn für Moral und einem Bewusstsein für Gott. Doch für nichts davon ist es nötig, dass Gott erst die Zustimmung des Menschen oder sogar seine Zusammenarbeit suchen müsste. Der Mensch wird sich einfach darüber bewusst, dass er geboren wurde und entdeckt nach und nach seine Fähigkeiten.

 

2. Stufe: Später wird dem Menschen die Möglichkeit angeboten, das zu werden, was er bis jetzt nicht war, nämlich ein Kind – und dann ein Sohn – Gottes. Dazu ist jedoch die willentliche Zustimmung und Entscheidung des Menschen nötig. Um die Spanne zwischen diesen beiden Stufen zu verstehen, müssen wir sorgfältig den Unterschied im Sprachgebrauch der Bibel beachten, die zwischen einem Geschöpf Gottes einerseits und einem Kind bzw. Sohn Gottes andererseits unterscheidet.

 

Das verbreitete religiöse Denken vermischt diese zwei Bereiche oft und spricht von allen Menschen als Kinder Gottes. Das stimmt jedoch nicht. Gott liebt sicherlich alle Menschen, da er ihr Schöpfer ist und sie seine Geschöpfe sind. Mit einer nicht ganz exakten Ausdrucksweise könnten wir zu Recht sagen, dass er sich um alle in väterlicher Weise kümmert. In der Sprache der Bibel jedoch sind zwar alle Menschen Geschöpfe Gottes, aber nicht alle sind Kinder Gottes.

 

Die klassische Aussage dazu finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 1,10-13. Es lohnt sich, diese Verse vollständig zu zitieren:

 

Er (das ist der Sohn Gottes) war in der Welt und die Welt wurde durch ihn und die Welt kannte ihn nicht. Er kam in das Seine und die Seinen nahmen ihn nicht an, so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

 

Aus diesen Versen werden die folgenden 5 Punkte deutlich:

 

1. Ein Mensch ist nicht automatisch ein Kindes Gottes, weil es in diese Welt hineingeboren wurde. Um ein Kind Gottes zu sein, muss man ein Kind Gottes werden, und man kann nicht etwas werden, was man schon ist.

 

2. Die Bedingung, ein Kind Gottes werden, ist, dass man Christus aufnehmen und an seinen Namen glauben muss: denen, die Ihn aufnehmen, gibt er das Recht, Kinder Gottes zu werden.

 

3. Nicht alle Menschen werden Kinder Gottes, aus dem einfachen Grund, weil nicht alle Menschen Christus aufnehmen:

Er kam in das Seine und die Angehörigen seines eigenen Volkes (d. h. die Mehrheit seiner jüdischen Zeitgenossen) nahmen ihn nicht auf. Und heute nehmen ihn viele Menschen aus den verschiedensten Nationen nicht auf.

 

4. Wie man nicht ein Kind Gottes wird: Kind Gottes wird man nicht durch den gleichen Vorgang, durch den wir zuerst empfangen und dann von unseren Eltern in diese Welt hineingeboren wurden. Und auch nicht durch einen Akt, den wir durch unsere eigene Willenskraft selber vollbringen können.

 

5. Wie man ein Kind Gottes wird: Kind Gottes wird man, indem man von Gott gezeugt und geboren wird; Gott legt sein eigenes Leben in uns hinein. Diese letztgenannte Beschreibung „aus Gott geboren“ zeigt deutlich den Unterschied zwischen den Geschöpfen Gottes und Kindern Gottes. Gottes Geschöpfe sind durch ihn geschaffen worden, Kinder Gottes sind aus ihm geboren.

 

Ein Elektroingenieur kann nicht durch den gleichen Vorgang ein Kind bekommen, durch den er üblicherweise einen Computer bekommt. Er stellt einen Computer her oder konstruiert ihn; aber ein Kind muss er zeugen.

Und es besteht natürlich ein riesiger Unterschied zwischen seinem Computer und seinem Kind. Der Computer kann hochentwickelt sein und wunderbar komplizierte Operationen durchführen, die weit über die Fähigkeit eines Kleinkindes hinausgehen.

 

Aber der Computer besitzt nicht das Leben des Ingenieurs, das Kind hingegen schon. Mit diesem Leben wächst das Kleinkind auf, um sich an der Beziehung zu seinem Vater zu erfreuen, sowie an der Freude an des Vaters Leben, Liebe und Gemeinschaft. Der Computer hingegen kann nicht einmal hoffen, sich daran zu erfreuen.

 

Das war also die großartige Absicht, die Gott schon vor der Erschaffung der Welt in seinem Herzen hatte: Er wünschte sich Söhne und Töchter, die an seinem eigenem Leben teilhaben, ihn verstehen und sich an ihm erfreuen würden – und er an ihnen. Er wollte mit ihnen eine Gemeinschaft haben, die nur in einer Vater-Sohn- bzw. -Tochter-Beziehung des gemeinsamen Lebens möglich ist. In biblischer Sprache hört sich das so an:

 

… wie er (Gott) uns in ihm (Christus) auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten (Epheser 1,4-6).

 

Hierin besteht nun der wahre Werdegang, den Gott selber für die Menschheit entworfen hat: Von der natürlichen Geburt angefangen, mit der wir als ein Geschöpf Gottes in diese zeitlich befristete Welt hinein geboren werden, über die geistliche Geburt, durch die wir ein Kind Gottes werden, während wir immer noch auf dieser Welt sind, bis wir dann letztendlich mit Gott in ewiger Gemeinschaft in seiner Welt leben.

 

(Auszug aus dem Buch: Wer glaubt muss denken – Autoren: John Lennox u. David Gooding)

 

HERZLICH(S)T

Klaus und Dagmar